Barnowski-Geiser, Waltraut 

Schule braucht Gefühl

Kinder kreativ-therapeutisch fördern

Kleine Reihe, Band 2

Seiten: 128

Jahr: 2009

Auflage: 1.

ISBN Nummer: 978-3-934933-30-9

Format: kartoniert

11,95 € inkl. MwSt.

Beschreibung / Inhaltsübersicht

Musiktherapeutin Dr. Waltraut Barnowski-Geiser, seit vielen Jahren Schultherapeutin und Lehrerin, rückt mit ihrem neuen Buch die kindlichen Nöte in das Zentrum der Wahrnehmung und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Mangelerfahrung, die Kinder im System Schule bislang machen müssen. Ihr kreativtherapeutisches Arbeitskonzept „KreTAS“ enthält zukunftsweisende Pfade der emotionalen und sozialen Förderung, die die Schullandschaft aufrütteln und verändern können.

Die Praxisberichte und jahrelanges erprobtes theoretisches Wissen machen dieses Fachbuch unerlässlich für alle, die pädagogisch, beraterisch, psychologisch und therapeutisch an Schulen tätig sind. Das Buch ist ein Leitfaden zur Orientierung für den Weg zu einer innovativen Lernwelt.

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Rezensionen

Brettschneider, 31. Mai 2010:
Da fällt mir wirklich nur ein: Endlich! Höchste Zeit! Endlich ein Buch über Schule und Gefühle. Als Lehrerin weiß ich, dass Gefühle in der Schule keine kleine, sondern eine wesentliche und oft sogar entscheidende Rolle spielen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht nur mit den alltäglichen Gefühlsregungen von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, sondern mit Gefühlsausbrüchen konfrontiert werde, die allzu oft das Lernen be- und verhindern. Wenn Kinder und Jugendliche in häuslicher oder schulischer Not sind, sind Gefühle wichtig! In ihrem Buch beschreibt Frau Barnowski-Geiser, dass es an ihrer Schule seit 10 Jahren ein gut funktionierendes Konzept "KreTAS" (Kreativtherapeutische Arbeit in Schulen) gibt, dass SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern hilft, sozial-emotionale Hilfe und Förderung zu erhalten. An vielen Beispielen aus ihrer Praxis und anhand von Interviews mit betroffenen SchülerInnen zeigt die Autorin auf, wie sich die Not und das Leid der Kinder im kreativtherapeutischen Prozess verwandelt, einen Ausdruck findet und damit einher sich auch die schulischen Leistungen der Kinde verbessern und sich ihre soziale Situation stabilisiert.
Die Kinder wünschen sich solch ein therapeutisches Angebot für alle Schulen. Ich auch!
Dr. Margareta Marsall, Bonn, 2010, 12. August 2010:
Auf dem Hintergrund riesiger Schulklassen mit über 30 Kindern oder Jugendlichen, eines von den Schulministerien vorgegebenen dichten Stoffplans, der sich weitgehend auf kognitive, vermeintlich objektivierbare Lerninhalte bezieht, und einer immer größeren Anzahl an verhaltensauffälligen und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern fordert Musiktherapeutin Waltraut Barnowski-Geiser ein konsequentes Um-denken beim schulischen Lernen. Gestützt auf die aktuellen neurobiologischen Er-kenntnisse namhafter Hirnforscher wie Gerhard Roth, Manfred Spitzer, Gerald Hüther, Antonio Damasio oder Udo Baer, fordert sie, die Seele der Kinder und Jugendlichen, die Emotionalität, die für den Lernprozess von entscheidender Bedeutung ist, in den Fokus einer Neuorientierung zu rücken.
Obwohl Damasios revolutionäre Einsicht in Descartes’ Irrtum („Ich denke, also bin ich“) nun schon mehr als ein Jahrzehnt (1997!) zurück liegt und der Hirnforscher um-formuliert hat in „Ich fühle, also bin ich“, hält sich in der Schule die irrige Vorstellung, dass Gefühle bei der eher nüchternen Wissensvermittlung wenig bedeuten, gar außen vor bleiben müssten. Diese konstruierte Trennung von Fühlen und Denken widerspricht ganz und gar der Realität: Kognition ohne Emotion ist unmöglich, das menschliche Gehirn zeigt, dass Lernen ohne Gefühl und sinnliche Wahrnehmung nicht funktioniert. Grund dafür ist die enge, äußerst komplexe Verflechtung von bestimmten Gehirn-arealen: der Großhirnrinde (in der das Wissen gespeichert ist) und des limbischen Systems (des Gefühls- und Bewertungszentrums des Gehirns), die eben nicht un-abhängig voneinander funktionieren. „Die Seele atmet durch den Körper, und Leiden findet im Fleisch statt, egal ob es in der Haut oder in der Vorstellung beginnt“, zitiert Barnowski-Geiser den berühmten Forscher (S. 54), und an anderer Stelle die Erkennt-nis Gerald Hüthers: Das Gehirn ist ein „Sozialorgan“ (S. 55). Wie kann diese Erkenntnis in den schulischen Alltag umgesetzt werden?
Zunächst bedarf es der Einsicht aller an Schule Beteiligten in diese Zusammenhänge – das vorliegende Buch sollte zur Pflichtlektüre von Lehrer/innen und Referendaren werden! Denn es räumt auf mit dem Irrtum, dass die wachsende Anzahl intensiv emotional belasteter Kinder – etwa Scheidungskinder, vernachlässigter oder familiär früh auf sich allein gestellter Kinder, Kinder mit Bindungsdefiziten: eben der auffälligen Kinder, Unruhestifter und Störenfriede im Unterricht – nach Lehrplan kognitiv „funktionieren“. Die Autorin und Musiktherapeutin hat das KreTAS-Konzept, die Kreativ-Therapeutische Arbeit in Schulen, entwickelt, das professionelle Therapeuten an den Schulen selbst durchführen: Es hilft, die Mangelerfahrungen und emotionalen Be-lastungen auszugleichen, die die Kinder auszuhalten haben und sie in ihrem Lernen massiv behindern. Ausgehend vom kreativen Potential jedes Menschen vermittelt es den als kompetent betrachteten Kindern neue körperliche und seelisch-emotionale Erfahrungen, die zum Ausgangspunkt für neue Selbstwert- und Beziehungserfahrungen werden. Das Konzept basiert auf fünf Bausteine, KRASS genannt – Kreativität, Ressourcenstärkung, Anklang, Selbst-Bewusst-Sein, Schul-Nähe – sie bieten durch kreative Medien, durch Musizieren, Farbe, Tanz und Körperarbeit, vielfältige Aus-drucksmöglichkeiten für die Gefühle der Schüler/innen jenseits von Worten. Sie schaffen Raum für neues Erleben von sozialer Interaktion und Gruppenzugehörigkeit, lenken den Blick weg von den Schwächen hin zu den verschütteten Stärken der Kinder, so dass sich allmählich ein neues Gefühl für ihren Selbstwert entwickeln kann – ein Weg, der über eine leiborientierte Therapie führt, nämlich die Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigene Befindlichkeit stärkt. Als Therapieform steht der kreative Ausdruck der Nöte und Ängste der Kinder und ihre Erfahrung einer positiven Beziehung
Beratung Aktuell 2/10, Junfermann Verlag, www.active-books.de 43
zum Therapeuten im Vordergrund, nicht das Reden, die Kognition – es geht darum, das Konfliktpotenzial zum Erklingen zu bringen, weil die Worte dafür fehlen.
Dies entspricht ganz den Erkenntnissen der Hirnforschung: Lernen heißt neue Er-fahrungen machen und „alte synaptische Trampelpfade“ bzw. Muster verlassen, und das sind zuallererst sinnlich-emotionale Erfahrungen.
Wenn Schule dies in der eigenen Einrichtung, also schulnah und nicht außerschulisch, mit einem Team ausgebildeter Therapeuten und Lehrer leisten kann und das KreTAS-Konzept Einzug in die Köpfe der Lehrer/innen und Unterrichtsformen hält, dann be-kommt die Emotionalität den entscheidenden Stellenwert, den sie beim Lernen hat, dann findet Lernen ganzheitlich (übrigens eine Forderung der Schulministerien!) und entwicklungsfördernd statt. So kann Schule zur unterstützenden Lernumgebung für alle Schüler/innen werden. Das ist dringlich, denn „Schule braucht Gefühl“.

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